Superfood aus dem Meer

Seegras gegen Klimawandel und Welthunger
Gewöhnliches Seegras - das Superfood der Zukunft?
#klimawow #meereswow
    © John Brew, CC BY 4.0, Wikimedia Commons

      In Spanien ist es gelungen, Seegras zu kultivieren, und auch an der deutschen Ostseeküste gibt es Fortschritte bei der Wiederansiedelung des grünen Superfoods. Liegt hier möglicherweise ein Schlüssel zur Bekämpfung von Welthunger und Klimawandel?

      „Tanzen“ müsse es können, so beschreibt der Andalusier Ángel León einen Wesenszug des Gewöhnlichen Seegrases (Zostera marina). Die Meerespflanze sieht ähnlich aus wie eine Wiese an Land und ist durch Parasiten und Umweltverschmutzung leider nur noch selten zu finden. Gemeinsam mit dem meeresbiologischen Institut der ansässigen Universität hat der Drei-Sterne-Koch nun im spanischen Cadíz ein Pilotprojekt zur Anpflanzung und Kultivierung des ozeanischen Grüns gestartet. Mittlerweile hat sich daraus ein Forschungszentrum entwickelt.
      In Deutschland unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit knapp zwei Millionen Euro das Forschungs- und Entwicklungsprojekt SeaStore. Dessen Ziel ist die Wiederansiedlung von Seegras an der deutschen Ostseeküste.

      Doch warum der ganze Aufwand? Weil die Pflanze einige Eigenschaften hat, die sie zu einem Nahrungsmittel der Zukunft machen könnten: Ihr Anbau ist unkompliziert und auch in Regionen möglich, die lediglich Zugang zu Salzwasser haben. Es benötigt weder Pestizide noch Dünger oder Bewässerung.

      Nahrhaft und klimafreundlich

      Dazu ist Seegras extrem nahrhaft: Der Gehalt an essenziellen Fettsäuren ist sehr viel höher als in sämtlichen Getreidesorten. Zudem enthält es wertvolle Vitamine (A, E und B), Mineralstoffe und Proteine. Laut Ángel León haben die Samen eine ähnliche Konsistenz wie Quinoa, schmecken leicht salzig und ganz anders als andere Meeresfrüchte. Sie können geröstet und gemahlen auch zu Mehl verarbeitet werden. Daraus lassen sich beispielsweise Nudeln herstellen.
      Léon bietet in seinem Restaurant bereits Seegras-Kreationen an und hat sich damit über Spanien hinaus einen Namen gemacht. Seegras verbessert darüber hinaus die Wasserqualität und beeinflusst die Biodiversität positiv. Denn wo es wächst, folgen andere Arten. Auf diese Weise wird Meeresboden wiederbelebt, was erhöhtes Nahrungsaufkommen für weitere maritime Lebewesen bedeutet.

      Spannend im Hinblick auf den Klimawandel ist die Fähigkeit der Pflanze, Kohlenstoff für lange Zeiträume zu binden. Gelingt also die „Aufforstung“ von Seegras, kann das zu einer Steigerung der Kohlenstoffspeicherung in Küstenökosystemen führen. Auch aus diesem Grund ist das Wiederanpflanzen von Seegras eine naturnahe und -freundliche Klimalösung mit nachhaltiger Wirksamkeit.

       

      Quellen und weiterführende Links:
      https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/super-seafood–seegras-koennte-welthunger-bekaempfen-30809830.html
      https://www.ifw-kiel.de/de/institut/forschungszentren/global-commons-und-klimapolitik/projects/seastore-wiederansiedlung-von-seegraswiesen-als-beitrag-zur-erhoehung-der-marinen-biodiversitaet/
      https://www.br.de/wissen/seegras-seegraswiesen-posidonia-meer-kohlenstoff-klimawandel-100.html
      https://www.simoneheller.com/blog/ein-weiteres-superfood-aus-dem-meer

      Bildquelle: © John Brew, CC BY 4.0, Wikimedia Commons