Tempo 30 in (fast) ganz Paris

Klima- und Menschenschutz in Frankreichs Hauptstadt
Fahrradfahren hat Vorrang: Tempo 30 auf Pariser Straßen
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    © (Joenomias) Menno de Jong, Pixabay

      Verkehrslärm in der City? In Paris wurde der kürzlich stark reduziert – dank Tempo 30 im nahezu gesamten Stadtgebiet. Auch einen Rückgang an Verkehrstoten erhofft sich die rot-grüne Stadtregierung von der Maßnahme.

      Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat eines ihrer Wahlversprechen eingelöst: In der französischen Hauptstadt gilt ab sofort flächendeckend ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die Champs Elysées und die Uferpromenaden entlang der Seine (50 km/h) sowie die Stadtautobahn (70 km/h).
      Auch vorher schon galt dieses Tempolimit bereits auf rund 60 Prozent der Pariser Straßen. Die grün regierte südostfranzösische Stadt Grenoble hatte Tempo 30 sogar schon 2016 eingeführt.

      Weniger Verkehrstote, weniger Lärm

      Gründe für die Tempo-Drosselung: Die Zahl der Verkehrstoten sinkt. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehe beispielsweise der Zusammenprall eine:r Fußgänger:in und eines 50 km/h fahrenden Autos in 80 Prozent der Fälle tödlich aus. Bei einem 30 km/h schnellen Fahrzeug reduziere sich das Risiko auf zehn Prozent.
      Zudem werde der Verkehrslärm um drei Dezibel gesenkt, was die Bürger:innen als Halbierung empfänden, so die Stadtregierung. Ein Effekt, den auch das deutsche Bundesumweltamt bestätigt. Da Lärm erwiesenermaßen auf Dauer krank machen kann, stellt das neue Tempolimit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Städter:innen dar.

      Mehr Stau, mehr Abgase?

      Kritiker:innen fürchten unter anderem eine erhöhte Staugefahr und damit eine Vermehrung der Abgase, doch laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop für die Zeitung Le Parisien begrüßen 61 Prozent der Pariser:innen die Maßnahme, die nach dem Ausbau der Radwege im vergangenen Jahr einen weiteren Schritt für ein lebenswerteres Cityleben bedeutet. Geplant ist für die kommenden Jahre zudem, das historische Zentrum autofrei zu machen, Dieselmotoren zu verbannen und etwa die Hälfte der 140.000 städtischen Parkplätze umzuwidmen.

      Ein nachahmenswertes Beispiel für (Groß-)Städte anderer Länder, beispielsweise Deutschlands, wo 2020 noch 2.719 Menschen im Straßenverkehr ums Leben kamen. Auch die hierzulande immer wieder hitzig geführte Debatte um eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen könnte sich, was Klima- und Verkehrspolitik betrifft, am Vorstoß Anne Hidalgos orientieren.

       

      Quellen und weiterführende Links:
      https://www.tagesschau.de/ausland/europa/paris-tempolimit-103.html
      https://www.zeit.de/mobilitaet/2021-08/paris-verkehrspolitik-frankreich-tempo-30-regelung
      https://taz.de/Verkehrspolitik-in-Frankreich/!5792740/
      https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/verkehrswende-auto-paris-tempo-30-100.html
      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/185/umfrage/todesfaelle-im-strassenverkehr/

      Bildquelle: © (Joenomias) Menno de Jong, Pixabay