Back to the roots: Besteck aus Holz

Durch spezielles Verfahren härter als Stahl
Vorlege-, Koch- und Essbesteck aus Holz in verschiedenen Behältern
#technikwow #nachhaltigkeitswow
    © Hans, Pixabay

      Wer hätte das gedacht? Einer der größten Industriezweige, die Stahlproduktion, verliert weitere Pfründe. Nach grünem Stahl aus Schweden und einem Hochhaus aus Holz ist es nun möglich, auch Alltagsgegenstände alternativ herzustellen – nachhaltig, langlebig und recyclebar.

      Zwar bevorzugt weltweit mehr als die Hälfte der Menschen das Goutieren von Nahrungsmitteln per Hand, doch in großen Teilen der industrialisierten Welt zerkleinern wir vor der Nahrungsaufnahme unsere Speisen mit Besteck und nutzen dieses auch dafür, uns die Lebensmittel zuzuführen. Am besten, weil hygienisch und ohne Rückstände, klappt dies bisher mit Besteck aus Edelstahl. Edelstahlbesteck ist vor allem auch deshalb beliebt, weil es nicht anläuft noch rostet und sich immer wieder sehr gut schärfen lässt.

      All diese Merkmale bietet auch ein Material, von dem man es nicht erwartet: Holz. Rostfrei: stimmt. Rückstandsfrei: bei nachhaltiger Holzwirtschaft: ja, auch. Aber scharf? Na ja.
      Bis jetzt: Ein neues Verfahren ermöglicht die Schärfung von Holzmessern um den Faktor 23. Das bedeutet, dass ein derart bearbeitetes Messer aus Holz dreimal schärfer sein kann als eines aus Edelstahl.

      Erst weich wie Gummi, dann härter als Stahl

      Durch ein chemisches Verfahren, an dem unter anderem eine wässrige Lösung aus Natriumhydroxid und -sulfit beteiligt ist, werden dem Holz Bestandteile wie Lignin und Hemicellulose entzogen, sodass es eine weiche, fast schwammige Konsistenz erhält. Je nach gewünschtem Härtegrad wird das Holz dann in der Lösung gekocht und infolgedessen, um Rückstände zu entfernen, in demineralisiertem Wasser gespült. Nach Pressen und Trocknen folgt der letzte Bearbeitungsschritt: das Tauchen in lebensmittelechtes Mineralöl. Dieser Schritt darf als der am wenigsten nachhaltige angesehen werden. Doch nur so erhält das Holz die wasserabweisende Eigenschaft, die es für langlebigen Gebrauch und wiederholtes Schärfen benötigt.

      Alles in allem eine echte Alternative, da die Stahlproduktion nach wie vor als einer der größten CO2-Emittenten gilt und die Erzeugung zudem ein nicht kostenarmes Verfahren ist. Sollte sich Besteck aus Holz durchsetzen, wäre zumindest dieser Bereich klimaverträglicher abzudecken als bisher – und deutlich preisgünstiger.



      Quellen und weiterführende Links:
      https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/schaerfer-als-edelstahl-forscher-stellen-messer-und-naegel-aus-holz-her-a-fe9eaf78-7088-4408-a95f-5e250f3b184a?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE
      https://www.cell.com/matter/fulltext/S2590-2385(21)00465-3
      http://budoten.blog/esskultur-essen-mit-besteck-stabchen-oder-handen/
      https://www.sueddeutsche.de/reise/tischsitten-weltweit-fuer-mich-bitte-das-fettnaepfchen-1.2249473
      https://ergo-reiseblog.de/laendertipps/essen-besteck-weltweit

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