Atomkraft ohne strahlende Zukunft

Salz und „Superpilze“ für weniger Radioaktivität
Atomkraftwerk vor Abendhimmel
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    © Frederic Paulussen, Pixabay

      Atomkraft ist nach wie vor fester Bestandteil der weltweiten Energiegewinnung. Während in Deutschland nur noch sechs Atomkraftwerke am Netz sind, die spätestens im kommenden Jahr abgeschaltet werden sollen, nehmen anderswo die Investitionen in die Kernkraft wieder zu.

      Ganz besonders gefragt sind sogenannte Small Modular Reactors (SMRs), weil sie verhältnismäßig günstig sind und mit wenig Aufwand gebaut und betrieben werden können. Laut der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) werden derzeit 84 SMRs in 18 Ländern entwickelt oder bereits gebaut. Ganz vorne dabei: Russland, China, Japan und Argentinien sowie die USA, Großbritannien und Kanada. Auch Frankreich hat erst kürzlich Interesse bekundet.
      Expert:innen kritisieren hier vor allem, dass eines der größten Probleme der Energiegewinnung durch Atomkraft bestehen bleibt: die sichere Entsorgung des radioaktiven Materials. Bisher war die einzige Lösung die dauerhafte Lagerung hochradioaktiven Abfalls irgendwo unter der Erde. Entsprechende Anlagen werden derzeit im finnischen Olkiluoto und im schwedischen Forsmark gebaut, in Deutschland ist man noch auf der Suche nach einem geeigneten Standort.

      Chemische Verfahren könnten Grad der Radioaktivität senken

      Forschende der Universität Manchester haben herausgefunden, dass radioaktiv verseuchtem Graphit mithilfe von Salz ein Teil der Radioaktivität entzogen werden kann. Somit wäre kein spezielles Endlager zur Aufbewahrung mehr nötig. Zudem kann das durch den Prozess radioaktive Salz viel leichter strahlungsbereinigt werden als Graphit.
      Die potenziellen Auswirkungen dieses Verfahrens wären enorm: Weltweit warten mehr als 300.000 Tonnen radioaktive Graphitabfälle auf Entsorgung. Allein in Frankreich, Großbritannien und Russland stehen mehr als 80 Reaktoren, die diesen Stoff nach wie vor verwenden und damit neuen Atommüll produzieren.

      Pilz ernährt sich von Strahlung

      Bereits 1991 entdeckte man in den Überresten des Tschernobyl-Reaktors einen schwarzen Pilz, der radioaktives Material zersetzt und Gammastrahlung in chemische Energie für sein eigenes Wachstum umwandelt. Analog zur Photosynthese, bei der Sonnenlicht in Energie umgewandelt wird, heißt dieser Prozess Radiosynthese.
      Derzeit wird an den Einsatzmöglichkeiten für diesen Pilz geforscht. Eines Tages könnte er Menschen vor den Auswirkungen radioaktiver Strahlung schützen, sei es bei der Strahlentherapie von Krebspatienten, Arbeiten in Atomkraftwerken oder sogar bei langen Reisen im All. Es gibt gar Ansätze, bei denen der Pilz durch die Zersetzung radioaktiven Materials zur Herstellung von Strom dienen könnte – während er gleichzeitig die von Atommüll ausgehende Gefahr senkt.

      Bislang sind diese Einsatzmöglichkeiten Zukunftsmusik. Vielleicht steigen mit den Investitionen in weitere Kernkraftwerke auch die Investitionen in die Erforschung sicherer Entsorgungsmethoden für radioaktive Abfälle.

       

      Quellen und weiterführende Links:
      https://www1.wdr.de/mediathek/audio/cosmo/daily-good-news/audio-atommuell-kann-weniger-strahlen-100.html
      https://www.deutschlandfunknova.de/nachrichten/salz-verfahren-atommuell-unschaedlicher-machen
      https://www.stern.de/panorama/wissen/mitten-im-tschernobylreaktor-gedeiht-ein-schwarzer-pilz—er-ernaehrt-sich-von-der-strahlung–9143054.html?utm_source=facebook&utm_medium=posting&utm_campaign=stern_fanpage
      https://www.tagesschau.de/wirtschaft/technologie/mini-reaktoren-small-modular-reactors-atomkraft-kernenergie-101.html
      https://www.deutschlandfunk.de/radioaktiver-abfall-die-suche-nach-einem-deutschen.2897.de.html?dram:article_id=496394
      https://www.bmu.de/themen/atomenergie-strahlenschutz/nukleare-sicherheit/aufsicht-ueber-kernkraftwerke/kernkraftwerke-in-deutschland

      Bildquelle: © Frederic Paulussen, Pixabay