Rumflachsen für die Umwelt

Boote aus Naturmaterialien für Segeln mit Anspruch
Bündel getrockneter Flachspflanzen – geeignet für Kompositmaterialien bspw. zum Segeln
#naturewow #umweltwow
    © suju-foto, Pixabay

      Segeln ist sexy, Tretbootfahren uncool? Nicht unbedingt. Denn beide Arten, sich auf dem Wasser fortzubewegen, eint die Möglichkeit, dies sowohl umweltfreundlich als auch sportlich zu tun und dabei gut wegzukommen.

      Alle Welt spricht von Nachhaltigkeit. Umwelt-, Klima- und Artenschutz sind ebenfalls beliebte Buzzwords, um die kein lesender Mensch mehr herumkommt. Zu Recht.
      Doch was steht dahinter? Bringt es wirklich etwas, Tomaten unverpackt zu kaufen, diese jedoch mit dem Auto nach Hause zu transportieren? Hat die vegane Lebensweise Sinn, wenn nicht gleichzeitig biologisch-dynamischer Lebensmittelanbau unterstützt wird? Und möchten wir wirklich an Style einbüßen, was wir an Sustainability wettmachen?

      Nichts muss, alles kann. In diesem Sinne ist der Nachhaltigkeitsgedanke auch im Wassersport angekommen, genauer gesagt in Bremen. Dort sah Bootsbaumeister Friedrich Deimann keinen Sinn darin, die Zeit in und mit der Natur zu genießen, wenn zugleich die Wahl der Sportgeräte und Fortbewegungsmittel gegen sämtliche Prinzipien des Natürlichen verstößt.
      So gründete er mit Gleichgesinnten ein Start-up, das seinesgleichen sucht. Es bietet Materialien für Bootsbedarf, Windkraft, Möbel und andere Belange basierend auf der Natur entstammenden Verbundwerkstoffen.

      80 Prozent natürliche und wiederverwendete Bestandteile

      Wo immer es geht, wird synthetisches Material durch biologisches oder aufbereitetes bereits genutztes ersetzt. Was den Bootsbau betrifft: Flachs- ersetzen Glasfasern, Epoxydharz besteht größtenteils aus Lein- statt Mineralöl und das Deck aus Kork. Rumpf sowie Innenstruktur sind aus Bestandteilen natürlichen und/oder recycleten Ursprungs zusammengesetzt; unter anderem werden alte PET-Flaschen verwendet.

      Aber nicht nur die Auszeit auf dem Wasser profitiert von dieser Art der Aufwertung, auch die auf vier Rädern. Deimann und sein Team denken über die Waterkant und das Segeln hinaus. So statten sie mit ihren nachhaltigen Kompositmaterialien auch Wohnmobile und -wagen aus; selbst für den Bau von Windturbinen eignen diese sich.
      Dafür wurde sein junges Unternehmen bereits vielfach ausgezeichnet und kann sich rühmen, von der IMOCA (International Monohull Open Class Association) als Ausstatter für Regattayachten ausgewählt worden zu sein.

      „A race we must win“

      Auch Boris Herrmann, Berufssegler und erster deutscher Teilnehmer der „Vendée Globe“, ist begeistert vom neuen Ansatz aus dem Norden. Er unterstützt das Unternehmen und den Gedanken dahinter nach Kräften.
      Unter dem Motto „A race we must win“ setzt er sich schon lange für Klimaerforschung und -schutz ein. So brachte er beispielsweise Klimaaktivistin Greta Thunberg 2019 mit einer Segelyacht zur UN-Klimakonferenz nach New York, damit sie nicht in den Flieger steigen musste.

      Für Menschen aus dem Binnenland ist die Mission, Segeln und Co. nachhaltiger zu gestalten, vielleicht ein Tropfen auf den heißen Stein, für Andere eventuell eine echte Weiterentwicklung in die richtige Richtung.
      Für alle jedoch ist es von großem Nutzen, wenn Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Industrie Hand in Hand gehen, um Ressourcen zu schonen und Müllberge gar nicht erst anzuhäufen.

       

      Quellen und weiterführende Links:
      green-boats.de/ (26.01.2022)
      borisherrmannracing.com/sustainability/ (26.01.2022)
      facebook.com/greenboats.de/ (26.01.2022)
      instagram.com/p/CVnDZD9LTrE/ (26.08.2021)

      Bildquelle: © suju-foto, Pixabay