Aus dem Teich über den Teich

Wie Algen den Luftverkehr revolutionieren können
Algen, DER Rohstoff der Zukunft?
#klimawow #meereswow
    © Andreas Heddergott, TU Muenchen

      Verpackungen, Kosmetik, Kleidung – Algen gelten als einer der Rohstoffe der Zukunft. Eventuell können sie sogar helfen, den Luftverkehr nachhaltiger zu gestalten. Wie? Mit Carbonfasern und Biokerosin auf Algenbasis.

      Algen sind derzeit in aller Munde – buchstäblich und im übertragenen Sinne. Ob sie als Superfood-Pulver den Smoothie pimpen, als Noriblatt die Sushirolle zusammenhalten oder gar pflanzlichem „Lachs“ seinen aromatisch-salzigen Fischgeschmack geben: Zumindest auf dem Gebiet der Kulinarik haben die meisten schon mal gehört, dass die Meerespflanzen allerhand drauf haben. Sie liefern wertvolle Vitamine, Proteine, Mineralien, Kohlenhydrate und Fette.

      Doch das maritime Allerlei kann mehr. Wie vielfältig ihre Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten sind, das erforschen Wissenschaftler:innen der Technischen Universität München am 2015 eröffneten Algentechnikum. Hier imitiert die größte LED-Anlage der Welt das Spektrum und die Intensität des Sonnenlichts verschiedenster Regionen weltweit – sei es nun in Spanien, Südostasien oder Neuseeland. Durch diese Simulation unterschiedlicher Klimabedingungen lässt sich optimal herausfinden, welche Fähigkeiten eine der ältesten Lebensformen der Erde hat. Etwa 44.000 Algenarten wurden bislang wissenschaftlich beschrieben, vermutlich gibt es beinahe zehnmal so viele.

      Zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten

      Neben der Möglichkeit, aus Algen essbare Imbiss-Verpackungen, Kleidung oder Kinderspielzeug herzustellen, gehört zu den spannendsten Erkenntnissen sicher diese: Die Meerespflanze könnte den Luftverkehr deutlich nachhaltiger machen. Und das auf zweierlei Weise: Zum einen lassen sich aus ihr CO2-negative Carbonfasern herstellen, also solche, die mehr CO2 binden als anschließend im Herstellungsprozess verbraucht wird – und diese Carbonfasern wiederum lassen sich beim Flugzeugbau einsetzen. Zum anderen, und hier liegt der Forschungsschwerpunkt des Algentechnikums, lässt sich aus Algen Biokerosin herstellen – als nachhaltige Alternative zu Erdöl. Ein besonderes Augenmerk der Forscher:innen liegt derzeit darauf, den Algen-Treibstoff kosteneffizient herzustellen, damit die Industrie sich auf die Umstellung einlässt.

      Abgesehen vom – noch – etwa doppelt so hohen Preis des Treibstoffs im Vergleich zur Erdöl-Variante liegen die Vorteile auf der Hand: Algen wachsen etwa zehnmal schneller als Landpflanzen und sind dabei extrem genügsam. Sie benötigen lediglich CO2, Licht, Wasser und geringe Mengen an Nährstoffen und gedeihen dabei in Salz- oder Brackwasser. Ihr Anbau konkurriert daher nicht mit dem Flächenbedarf für Landpflanzen.

      Fazit: Algen sind definitiv ein Rohstoff, den es im Auge zu behalten gilt – und von dem wir vermutlich in Zukunft noch viel profitieren werden.

       

      Quellen und weiterführende Links:
      fr.de/zukunft/storys/nachhaltigkeit/biooekonomie-die-superkraft-der-algen-90913131.html
      br.de/nachrichten/wissen/biokerosin-fliegen-wir-bald-mit-algen,SgdBAPB
      tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/35546
      fona.de/de/massnahmen/foerdermassnahmen/green-carbon-algen.php
      sueddeutsche.de/wissen/biotechnologie-alleskoenner-1.3707648

      Bildquelle: © Andreas Heddergott, TU Muenchen